Braunkohleentstehung und -abbau im Raum Markkleeberg

Die Umwandlung der Landschaft südlich von Markkleeberg durch den Braunkohlenbergbau in den letzten 70 Jahren ist ein Landschaftswandel im Zeitraffertempo. Die Erdgeschichte kennt ganz andere Umwandlungen. So befand sich das Stadtgebiet Markkleebergs zur Zeit der Braunkohlenbildung im Tertiär in einem Sumpfgebiet, welches von Bitterfeld bis Altenburg reichte. Das feuchtwarme Klima schuf die riesigen Braunkohlenwälder, die später von einem von Norden vordringenden Meer überstaut wurden. Darin setzten sich etwa 30 m mächtige sandig-tonige Schichten ab und schützten die sich aus den Pflanzenresten bildende Kohle vor späterer Abtragung.

Umwandlung der Landschaft südlich von Markkleeberg (links)

Muschelhorizonte und zahlreiche Funde von Haifischzähnen belegen das Vorhandensein dieses Meeres. Die restliche Überdeckung besorgten die Gletscher mehrerer Eiszeiten, die beim Abschmelzen in den dazwischenliegenden Warmzeiten ihre mitgeführten Schutt- und Geröllmassen hier ablagerten.
14 bis 20 m Braunkohle, aufgeteilt in zwei Flöze, lagern 40 m bis 70 m tief unter dem gesamten Stadtgebiet Markkleebergs. Für den Gesamtabbau war die Bebauung zu dicht und die Bürgerproteste zu laut. Die vom Süden auf Markkleeberg zulaufenden Tagebaue mussten im Falle des Tagebaues Espenhain nach Osten und im Falle der Tagebaue Zwenkau und Cospuden nach Westen abdrehen. Die im Südosten und Südwesten des heutigen Stadtgebietes liegenden Erholungsgebiete, Flußauen und landwirtschaftlichen Flächen wurden jedoch zerstört.

Einige Fakten zur Braunkohlenförderung in den Tagebauen Cospuden und Espenhain

  Tagebau Cospuden Tagebau Espenhain
Tagebauaufschluss April 1981 1937
Förderbeginn August 1981 1940
Tagebaustillsetzung 20.04.1990 (Einstellung Regelbetrieb)
Oktober 1990 (letzter Kohlezug)
1994 Restauskohlung endete im Juni 1996
Teufe 55 - 57 m 91,1 m
Abraum-Kohle- Verhältnis durchschnittlich 2,6 : 1 durchschnittlich 3 : 1
Fördermengen 31,6 Mio t Rohbraunkohle 570 Mio t Rohbraunkohle
Abraum 86,7 Mio m3 1,7 Mrd m3
Sanierungsbeginn 1.1.1991 1994
Flutungsbeginn 1993 durch Einstellung der Wasserhebung 10/1995 Bau der Wasserüberleitung aus dem Tagebau Zwenkau 23.03.1998 Inbetriebnahme der Flutungsrohrleitung Profen - Cospuden 20.07.1999 Wasserüberleitung aus dem Tagebau Profen
Übergabe an die Bevölkerung 01.06.2000 als EXPO-2000-Projekt 2006

Der Förderung der Rohbraunkohle im mitteldeutschen Raum seit etwa 150 Jahren folgte die Ansiedlung der Kohleveredlungsindustrie, eine der Grundlagen für die Entwicklung des industriellen Ballungsraumes zwischen Leipzig, Halle und Dessau. Die Kohleförderung in Großtagebauen, der enorme Kohlebedarf, in diesen Ausmaßen erstmals durch den Zweiten Weltkrieg verursacht, und die unwirtschaftliche Energiegewinnung bis 1989 schufen einen schwelenden Konflikt, der 1990 in Form von Bürgerbewegungen und Demonstrationen heftigst explodierte und schließlich zum kompletten Wandel der Energiepolitik und -wirtschaft im mitteldeutschen Raum führte.
Auf der einen Seite ernährten Kohleförderung und -veredlung mehrere Generationen, sorgten für einen gewissen Wohlstand und die Ansiedelung vieler Menschen. Auf der anderen Seite ist der Tagebaubetrieb für großflächige, unwiederbringliche Landschaftszerstörungen verantwortlich, führten Brikettfabriken, Schwelereien und Kraftwerke zu unbeschreiblichen Belastungen für Mensch und Natur.

Internet: www.braunkohlenstrasse.de

Gegenwärtig entsteht die Landschaft in und um Markkleeberg als Folge der Bergbausanierung neu. Waren früher Flussschlingen, Altarme, Feuchtgebiete, Lehmgruben und Auewaldinseln landschaftsbestimmend, so prägen künftig große, miteinander verbundene Wasserflächen und ausgedehnte Waldgebiete die Bergbaufolgelandschaft mit dem klangvollen Namen „Leipziger Neuseenland“ . Der Wandel einer ganzen Region vollzieht sich in atemberaubendem Tempo!



markkleeberg.de