Oetzsch

Durch die frühzeitige Vereinigung 1864 sind die Ortsgrenzen zwischen Raschwitz und Oetzsch welches stets in Gautzsch eingepfarrt war, kaum auszumachen. Beide Orte wuchsen schon um 1910 baulich zusammen. Die Raschwitzer Straße, eigentlich auf Oetzscher Flur gelegen und schriftsässig zum Rittergut Großstädteln gehörig - weshalb die Oetzscher dem Gutsherrn Abgaben und Frontdienste bis zum Freikauf 1835 leisten mussten, gilt im allgemeinen Verständnis wegen ihrer gutbürgerlichen Bebauung als Synonym für Raschwitz. Danach beginnt dann aber tatsächlich Stadt, und zwar eine gründerzeitlich geprägte. Oetzsch erlebte, verbunden mit stark steigenden Bevölkerungszahlen, in der Gründerzeit einen grundlegenden Strukturwandel von einer noch aus slawischer Zeit geprägten Dorfanlage zum kleinstädtischen Handels-, Handwerks- und Verwaltungszentrum.

Das ursprüngliche Dorf bestand aus neun Hofstellen im heutigen Alt-Oetzsch. Man erkennt jetzt noch den klassischen, um einen Dorfplatz gelagerten Rundling, der zum Rittergut Großstädteln gehörte. Zur Kirche gingen die Oetzscher nach Gautzsch, da sie im Ort keine hatten. Lebten in dem Dörfchen 1871 nicht einmal 200 Seelen, so betrug die Bevölkerungszahl vierzig Jahre später doch immerhin fast 5 000. Die entstandenen Bebauungsstrukturen gleichen denen der gründerzeitlichen Stadterweiterung in Leipzig auffallend. Während sich die ehemalige Gautzscher Straße und heutige Rathausstraße zur Geschäftszeile entwickelte, wohnten im umliegenden Areal vorwiegend Kleinbürger, also Handwerker, Gewerbetreibende und kleine Beamte.
Bis zur Bahnlinie wurde alles bebaut, während sich von Westen her Gautzsch heranschob, nur unterbrochen durch den gemeinsamen Friedhof. Aus einem Haltepunkt an der seit 1842 den Ort durchquerenden Bahnstrecke wurde ein Bahnhof, unweit entstanden ein respektables Postamt, ein Hotel und Gaststätten. Örtliche Schulen mussten ständig erweitert werden.

Hinter allen Bemühungen der Kommune in dieser Zeit stand der erbitterte Wettbewerb mit Gautzsch um die Hegemonie einer zu erwartenden Stadtneugründung unmittelbar südlich von Leipzig. Als diese dann 1934 erfolgte, nachdem bereits Oetzsch und Markkleeberg seit 1915 eine Gemeinde bildeten, konnte Oetzsch zwar nicht seinen Namen slawischen Ursprungs, wohl aber eine kleinstädtische Infrastruktur für ein Zentrum einbringen. Das hiesige Rathaus, vor seinem Umbau „Gasthof zur Linde“ , ist bis heute das Verwaltungszentrum der Stadt.

Im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, verkam gerade die gründerzeitliche Bausubstanz in den Jahrzehnten danach. Oetzsch wurde zum Problemgebiet und folgerichtig ein Großteil der Ortslage Anfang der 90er Jahre zum Sanierungsgebiet. Seither hat der Stadtteil viel von seinem einstigen gründerzeitlichen Charme zurückgewonnen. Mit der Gestaltung des Bereichs Rathausplatz/Rathausstraße als Fußgängerzone wurden auch die Jahrzehnte unterbrochene Bemühung um die Entwicklung eines Stadtzentrums für ganz Markkleeberg wieder aufgegriffen.

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