Wachau/Auenhain

Wachau, Rittergut, Gartenseite; um 1855

Wachau mit Auenhain ist der östlichste und zugleich jüngste Stadtteil Markkleebergs.

Im Südwesten grenzt er an das Restloch des ehemaligen Tagebaus Espenhain, südöstlich liegt Güldengossa, östlich Liebertwolkwitz und im Norden liegen Meusdorf und Dösen. Im Ortsteil befindet sich mit dem Gewerbepark Wachau der bedeutendste Gewerbestandort Markkleebergs.

Nach wie vor landschaftlich umgeben von weiten Ackerschlägen, streifen aus südlicher Richtung inzwischen kräftige Seewinde über die Ufer Wachaus und Auenhains am Markkleeberger See.

Wachau geht auf eine sorbische Siedlung zurück, Urkunden belegen 1310 seine Existenz.

1377 verkaufen Nikolaus und Heinrich von Heinitz das Rittergut und Dorf Wachau an das Nonnenkloster Ilgenthal zu Buch bei Leisnig, 1536 erwerben es die Herren von Penig auf Schönburg, um 1551 erwirbt der kurfürstliche Rat Hans von Ponickau auf Pomßen Wachau. Schon 1582 verkauft sein Sohn das Gut für 1800 Gulden an die Stadt Leipzig – damit setzt sich die schier unendliche Folge der Gutsbesitzer fort. Der Ratsbaumeister Kilian Kühlewein erwarb Gut Wachau 1584 von Leipzig.

Mehrere Besitzwechsel führten Gut und Dorf Wachau ab 1709 in die Hände des Vaters des Leipziger Frühaufklärers Gottlieb Wilhelm Rabener. 1756 gehören Ort und Gut einem Sohn Fabers, Dr. Johann Balthasar Faber. 1801 kauft der Leipziger Kaufmann Johann Gottlieb Quandt d.Ä. den Besitz, 1810 wird Johann Gottlieb Quandt d.J., ein Kunstsammler und Brieffreund Goethes, Gutsherr auf Wachau.

Doch damit der vielen berühmten Kinder des Ortes nicht genug: Von 1838 bis 1840 wohnte Theatersekretär und Revolutionär Robert Blum, da aus Leipzig ausgewiesen, im benachbarten Crostewitz und kehrte oft in der Wachauer „Linde“ ein.

1856 schließlich erwarb Oberamtmann Friedrich Wilhelm Weinschenk auf Waldau bei Bernburg das Gut Wachau und schenkte es 1858 seinem Sohn Ferdinand Wilhelm Weinschenk. Noch heute profitieren wir von den geschichtlichen Interessen Ferdinand Wilhelm Weinschenks, der der Nachwelt eine Ortschronik Wachaus/Auenhains hinterließ. Mit ihm verbunden ist auch der imposanteste Bau des kleinen Ortsteils – die überdimensionale Kirche Wachau . 1856-67 wurde der Vorgängerbau abgerissen und an seiner Stelle durch Constantin Lipsius eine der größten Dorfkirchen im Umkreis errichtet. 1904 gerät Ferdinand Wilhelm Weinschenk in Konkurs und verkauft das Gut wieder an die Stadt Leipzig.

Wachau ging als einer der Hauptkampfplätze der Völkerschlacht 1813 in die Militärgeschichte ein. Auf seiner Flur fand am 16. Oktober die größte Reiterschlacht der Neuzeit statt. Die Felder rings um Wachau bilden mit dem Flächendenkmal „Südliches Schlachtfeld Völkerschlacht 1813“ ein beredtes geschichtliches Zeugnis, das auch der Autobahnbau der A 38 durch eingeschnittenen Verlauf berücksichtigt. Im Rittergut Wachau hatte der französische Feldmarschall Murat, Napoleon-Schwager und König von Neapel, sein Hauptquartier aufgeschlagen. Auf dem Wachtberg, südlich von Güldengossa, beobachteten der russische Zar Alexander I., der österreichische Kaiser Franz I. und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen die Kampfhandlungen, die an dem 16.10.1813 etwa 61.000 Menschen das Leben kosteten.

Das Ortsbild Wachaus ist heute noch geprägt durch den großzügig angelegten Dorfplatz mit der unter Denkmalschutz stehenden Kirchenruine, die verbliebenen Anlagen des Rittergutes und große, teilweise recht ansprechend sanierte Bauernhöfe.

Mit der Industrialisierung und dem Bau der Heilanstalt Dösen wurde Wachau schon vor Jahrzehnten auch Wohnort für Arbeiter und Angestellte. So entstand Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts z.B. die Siedlung „Am Wiesengrund“ vor allem für Arbeiter mit ihren Familien.

Nach 1965 mussten die Wachauer für viele Jahre damit rechnen, überbaggert zu werden, was negative Auswirkungen auf Baumaßnahmen und Instandhaltungen hatte. 1967 bis 1972 wurden die benachbarten Ortschaften Cröbern und Crostewitz abgebaggert, 1976 die Umsiedlung der Bewohner des Vorwerks Auenhain veranlasst. Kurz darauf unterbrachen die Bagger die Fernverkehrsstraße 95. Erst nach der Wende verschwand die Angst der Verbliebenen vor der Devastierung. Dafür setzte ein reges Baugeschehen auf dem modernsten Gewerbegebiet der Region, am Markkleeberger See und in „ Tuchfühlung“ zum See auch von Eigenheimen ein.

zur Chronik

Aufruf Projekt-Pate

MDV-Fahrtenplaner