Zöbigker

Der Ort führte sich überaus hoffnungsvoll in die mittelalterliche Geschichte der Region ein. 1378 erstmals erwähnt, lässt der Name sorbischen oder gar keltischen Ursprungs auf eine frühere Besiedlung schließen. Unter dem mächtigen Geschlecht der Ritter Pflugk war es Vorwerk von Prödel, bis Sigmund Pflugk einen Rollentausch vornahm und Zöbigker zum Rittersitz erhob. Die Pflugks besaßen im Südwesten Leipzigs auch Zschocher, Knauthain und Gautzsch, und diese Besitzkonstellation blieb unter ihren Nachfolgern, den Dieskaus, auch erhalten.

Nach ihnen erwarb Friedrich Wilhelm von Marschall das Gut, der Schloss und Park so repräsentativ aufführte, dass der Besitz unter den Hammer kam und vom letzten Pächter der sächsischen Post, Johann Jakob Kees auf Lößnig, erworben wurde.

Postmeister Kees bestellte Landbaumeister David Schatz zum Ratgeber, der den Leipziger Barock aufs Land trug. Alle wichtigen Dorfeinrichtungen wie Kirche, Ausspanne, Post, Brauerei und Schmiede wurden in modernster Weise gebaut oder renoviert, das Gut wurde eines der leistungsfähigsten im Leipziger Raum. Bis 1945 blieb hier der Keessche Familienstammsitz.

In keinem Ortsteil von Markkleeberg waren Gutsbesitzer und Schicksal des Ortes so dauerhaft und heute noch nachvollziehbar verflochten. „Rotes Dorf “ hieß der Ort nicht aus politischen Gründen, sondern der vielen rotblühenden Eibischhecken wegen, die Kees pflanzen ließ. Ihren Landbesitz musste die Familie Kees bereits 1926 an die AG Sächsische Werke Dresden für das Werk Böhlen verkaufen. Die folgenden reichlich siebzig Jahre lebten die Zöbigker zwischen Hoffen und Bangen um die Existenz ihres Ortes. Der Tagebau Böhlen, später Zwenkau, schob sich dann tatsächlich bis an die südliche Ortskante heran, verschlang mehrere Gemeinden, darunter die Markkleeberger Ortsteile Prödel und Cospuden sowie das Waldgebiet Harth. Damit nicht genug. Ab Mitte der 80er Jahre näherte sich der Tagebau Cospuden von Westen an den Ort heran, bis schließlich die Vorfeldfreimachung den westlichen Dorfrand mit Mühle und Försterei wie auch den Rest des Schlossparks erfasste. Zöbigker war abgeschrieben und kaum mehr noch als das Ende von Sackgassen. Doch dann wurde durch Bürgerwillen der Tagebau gestoppt.
Eine zügige Renaturierung und Flutung des Restlochs, dessen Gestaltung unter der Überschrift „ Landschaftsnutzung – Landschaftspflege “ sogar Projekt der Weltausstellung EXPO 2000 wurde, rückten den Ort wieder ins Interesse der Öffentlichkeit und von Bauwilligen.

Zöbigker wurde exklusiver Hafenort des Cospudener Sees und besticht heute mit seinem charmanten Flair Hunderttausende Besucher. Der städtebaulich beeindruckende Kontrast aus historischer Dorfstruktur, neuen Wohnsiedlungen im „ Zöbigker Winkel “ , Hafenanlage und Seelandschaft bietet alljährlich Reize für Spaziergänge und Entdeckungen.

Nach den Tiefschlägen der letzten Jahrzehnte erlebt der Ortsteil seit 2000 einen touristischen Aufschwung, der mit der Wegeverbindung zum Markkleeberger und Zwenkauer See sowie mit dem Gewässerverbund mit dem Zwenkauer See weiter hoffnungsvoll fortgesetzt wird.

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