Dienstag, 05.09.2017

Sieben Stolpersteine in vier Straßen verlegt

Markkleebergs OBM Karsten Schütze legte an jedem Erinnerungsort eine weiße Rose im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nieder.

Die Stadt Markkleeberg hat seit heute sieben weitere Stolpersteine. An vier Stellen in Markkleeberg wurden sie heute vom Künstler Gunter Demnig verlegt.

Ein Stolperstein für Alexander Eisenberg (Am Wolfswinkel)
Der Anfang wurde an der Adresse Am Wolfswinkel 14 gemacht. Hier war der letzte frei gewählte Wohnort von Alexander Eisenberg. Geboren am 28. November 1888 in Leipzig als Sohn jüdischer Eltern, 1945 deportiert nach Theresienstadt und dort am 25. Februar 1945 verstorben.

Vier Stolpersteine für die Familie Berliner (Rathausstraße)

Gleich vier Stolpersteine wurden anschließend in der Rathausstraße (gegenüber der Rathausgalerie) verlegt. Hier wohnte die Familie Berliner – Rosa (geboren am 07. Dezember 1881), Lucie (geboren am 07. Februar 1910), Gertrud (geboren am 03. Februar 1914) und Friedrich (geboren am 19. Januar 1921). Vater Max Mayer Berliner starb 1923.

Die Familie flüchtete 1939 nach Belgien, wurde in Mechelen interniert und 1942 nach Auschwitz deportiert. Rosa, Lucie und Friedrich wurden noch im gleichen Jahr in Auschwitz ermordet. Das Schicksal blieb Gertrud Berliner erspart. Gemeinsam mit ihrem Mann Piotr Luboszyz gelang die Flucht nach Australien. Bis zum ihrem Tod am 04. Juni 2017 lebte Gertrud Lubo in Sydney.

Ein Stolperstein für Chane Suhl (Hauptstraße)
In der Hauptstraße 68 erinnert von nun an ein Stolperstein an Chane Suhl. Am 12. Dezember 1889 als Chane Chana Gena Lichtenfeld geboren, emigrierte sie im Juni 1941 nach Kaunas/Litauen. Als die deutsche Wehrmacht die Stadt am 24. Juni 1941 einnahm, wurde Chane Suhl vermutlich von einem Wachkommando der Wehrmacht erschossen.

Ein Stolperstein für Helene Knothe (Pater-Kolbe-Straße)
Als einziges nichtjüdisches Opfer in dieser Reihe erhielt Helene Knothe in der Pater-Kolbe-Straße 23 einen Stolperstein. Geboren als Helene Maria Margarethe Wendt am 01. September 1892, ist Helene Knothe ein Opfer nationalsozialistischer Unrechtsjustiz. Nach negativen Äußerungen über Adolf Hitler wurde sie denunziert, festgenommen, verhört, wegen „ Wehrkraftzersetzung“ und „Feindbegünstigung“ angeklagt. Mit der Anklage war das Todesurteil vorbestimmt. Helene Knothe wurde am 20. Dezember 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

In eindrucksvoller Art und Weise haben die Schülerinnen und Schüler der AG „Spurensuche“ des Markkleeberger Gymnasiums „Rudolf-Hildebrand-Schule“ die Gedenkaktionen an jedem Ort der Stolpersteinverlegung gestaltet. Sie verlasen die Biografien der Menschen, derer mit den Stolpersteinen gedacht wird. Es gab kurze Musikstücke. „Wir verzichten auf Gedenkminuten“, sagte Dr. Carsten Müller, Leiter der AG „Spurensuche“. Die Veranstaltungen seien in ihrer Gesamtheit dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet.

AG „Spurensuche“ hat fast drei Jahre recherchiert
Die Stolperstein-Verlegung geht überhaupt auf das unschätzbare Engagement der AG „Spurensuche“ zurück. Seit fast drei Jahren beschäftigt sich die Gruppe mit dem Schicksal von Markkleeberger Opfern des Nationalsozialismus. Die mehr als 30 Schülerinnen und Schüler suchten nach betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, recherchierten in Archiven einzelne Schicksale, kontaktierten Überlebende und sprachen mit Zeitzeugen.

Um 14.00 Uhr folgte eine Erinnerungsstunde mit Diskussion im Parksalon des Weißen Hauses. Die Schülerinnen und Schüler schilderten dabei das geschichtliche Projekt in seinem Verlauf und bedankten sich bei den Helfern und Förderern.

Alle Nachrichten anzeigen

Stadtdialog Markkleeberg 2030
Aufruf Projekt-Pate

MDV-Fahrtenplaner