Stolpersteine für Gertrud und Gustav Brecher verlegt

In Markkleeberg erinnern zwei neue Stolpersteine an das Schicksal von ehemaligen Einwohnern während der Nazizeit. Die Steine wurden am heutigen Montag, dem 16. Mai 2022, in der Parkstraße 2 – am Rand des agra-Parks – verlegt. Sie sind Gertrud und Gustav Brecher gewidmet, die unter dieser Adresse von 1928 bis 1933 lebten.

Gustav Brecher wirkte als Operndirektor von 1923 bis 1933 am Neuen Theater (Oper) in Leipzig und prägte das Haus in dieser Zeit maßgeblich. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erhielt Gustav Brecher Berufsverbot. Nach kurzen Engagements, unter anderem in der Sowjetunion und Österreich, floh die Familie. Im Mai 1940 kam sie auf der Flucht ums Leben, als Gustav und Gertrud Brecher versuchten, mit einem Fischerboot England zu erreichen.

„Es sind immer wieder bewegende Momente, wenn wir uns zu einer Stolpersteinverlegung treffen“, sagte Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze bei der kleinen Feierstunde vor Ort. Er dankte allen Beteiligten, insbesondere auch den Schülerinnen und Schülern der AG „Spurensuche“ des Markkleeberger Gymnasiums „Rudolf-Hildebrand-Schule“, die die Veranstaltung musikalisch gestalteten. Der Dank schloss auch Prof. Ulf Schirmer ein. Auf das private Engagement des Intendanten der Leipziger Oper geht diese Verlegung der Stolpersteine in Markkleeberg zurück. Prof. Schirmer lernte nach eigenen Angaben den Namen Brecher zu Beginn seines Studiums kennen und hat ihn in der Folge immer mehr für sich entdeckt. Der Umgang der Nazis mit der Familie habe ihn erschrocken. „Wie kann es angehen, dass bekannte Menschen aus dem kulturellen Gedächtnis einfach ausgelöscht werden?“ sagte er.

Im Stadtgebiet von Markkleeberg erinnern ab sofort elf Stolpersteine an das Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie an von den Nazis verfolgte Menschen. In der Hauptstraße 3 gibt es zwei Stolpersteine für Olla und Ludwig Bamberger, in der Rathausstraße (gegenüber der Rathausgalerie) wird damit Gertrud, Lucie, Rosa und Friedrich Berliner gedacht, in der Hauptstraße 68 an Chane Suhl, Am Wolfswinkel 14 an Alexander Eisenberg und in der Pater-Kolbe-Straße an Helene Knothe.