Schloss Zöbigker

POI - Schloss und Torhaus Markkleeberg

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Das Schloss Zöbigker wurde um 1700 von der Familie von Marschall als dem holländischen Barock verpflichteter dreistöckiger Bau mit Doppelmansardwalmdach, in dem längs drei Gaupenreihen übereinanderlagen, aufgeführt. Das gesamte Gebäude ruhte auf einer Holzkonstruktion in einem 11.000 m" großen Teich und war über vier Brücken zugänglich. Nach Marschalls Tod konnte dessen Witwe den Besitz neben anderen Herrenhäusern im Thüringischen nicht halten, wodurch das Lehen an die Sächsische Krone zurück fiel.

August der Starke verkaufte ihn 1714 an Johann Jacob Kees den Jüngeren, dessen Nachkommen bis Kriegsende hier ihren Hauptfamiliensitz pflegten. Kees und sein Vater hatten die Sächsische Post gründlich modernisiert und aus der kaiserlich- brandenburgischen Abhängigkeit gelöst. Unter Federführung des berühmten Sächsischen Landbaumeisters David Schatz ließ Kees wie seine Gutsnachbarn Jöcher auf Gautzsch und Dieskau auf Knauthain auch den städtisch geprägten Leipziger Barock aufs Land tragen, den Schlossgraben zuschütten und durch Graff und Landvogt den Park nach englischem Vorbild umgestalten. Valentin Richter verwirklicht eine Teichlandschaft, die ihresgleichen suchte. 

Kontaktinformationen

Schloss Zöbigker
Gutsstraße 11
04416 Markkleeberg

Nach 1830 wurde das Schloss unter Beteiligung von Albert Geutebrück im Stil des Klassizismus neu gestaltet. Im folgenden Jahrhundert arbeiteten hier immer wieder regional bedeutende Baumeister, wie Gustav Hempel (Weißes Haus), Julius Mosenthin, Pionier des Stahlbetons oder Felix Schirmer, der 1906 das Pächterhaus als neobarockes Kavaliershaus realisiert.

1925 verkaufte die Familie Kees unter gesetzlichem Zwang Grund und Boden sowie das Rittergut bis auf das Herrenhaus an die Sächsische Werke AG Böhlen, die bis zur geplanten Auskohlung Land und Gut weiter verpachtete. Im Jahr 1927 wurde das Schloss im Auftrag der Familie Kees unter Leitung von Paul Schultze-Naumburg rebarockisiert , u. a. wurde das Mezzaningeschoss durch ein Mansardgeschoss ersetzt. Durch den Bau des kaiserlichen Schlosses Cäcilienhof und seine heimatschützerisch angelegten „Kulturarbeiten“ war der Stararchitekt zu internationaler Berühmtheit gelangt. Trotz seiner biedermeierlich- konservativen Konzepte übertrug er Statik und Bauleitung dem Leipziger Büro Zweck und Voigt, das mit dem Leipziger Grassimuseum den derzeit modernsten musealen Bau Deutschlands schufen.

Nach dem Krieg diente das Schloss zunächst als Wohnung für amerikanische und danach für sowjetische Besatzungstruppen, dann für Umsiedler und Neubauern, wodurch die Ausstattung extrem litt und vor allem die unschätzbar wertvolle Bibliothek vernichtet wurde. Im Rahmen der Bodenreform wurden schließlich Gebäude und Gutsland an Neubauern übergeben. Die später gegründete LPG Zöbigker nutzte die Nebengebäude, Ställe wurden zu Traktorenhallen und Werkstätten, in die Dachgeschosse wurden Sozial- und Verwaltungsräume eingebaut.

Im Herrenhaus wird ab 1953 eine Schule gegründet. Das Pächterhaus wurde 1952 zur Berufsschule für Kürschner und Zurichter, danach diente es als Internat für die im Schloss eingerichtete Schule für Lernschwache. Nach 1990 geht es in Nutzung des Landkreises über und diente als Kreisbibliothek.

Dank privaten Engagements erstrahlt das Schloss Zöbigker als architektonisches Kleinod wieder im neuen Glanz. Im Inneren wurden acht hochwertig sanierte Eigentumswohnungen eingerichtet, die herrschaftliches exklusives Wohnen und Leben in einer gelungenen Symbiose aus Tradition und Moderne ermöglichen. Seit 2010 präsentiert sich die Gesamtanlage mit ihren Wirtschafts- und Torhäusern im sanierten Zustand und wird von vielen Gästen auf Wanderungen oder Fahrradtouren angesteuert.