Stolpersteine für die Familie Berliner

Die Familie Berliner

Am 23. August 1908 heirateten der in Breslau geborene Max Meyer Berliner (geb.26.11.1872) und die aus Ungarn stammende Rosa Stern (geb.07.12.1881). Die Hochzeit fand in Wien statt, wo am 07. Februar 1910 die erste Tochter Lucie geboren wurde. Die zweite Tochter, Gertrud, kam am 03. Februar 1914 in Gautzsch im Ring 45 zur Welt. Das heutige Markkleeberg war ein Vierteljahrhundert der Lebensmittelpunkt der Familie Berliner. Hier wurde auch Friedrich Berliner (19.01.1921) geboren.

1919 erwirbt Rosa Berliner ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus in der damaligen Hauptstr. 34 (heute Rathausstr.). Nach dem Tod von Max Berliner (1923) und von Rosas Mutter (1925) zog die Familie in eine Wohnung in diesem Haus. Sie lebten von den Mieteinnahmen, dem Verkauf von Handarbeiten und den Einkommen der Mädchen.
 
1937 heiratete Gertrud Berliner den aus Polen stammenden Juden Piotr Luboszyz.  Im Vorfeld des 9. November 1938 wurde, den nun staatenlosen Eheleuten, mehrfach nahe gelegt Deutschland zu verlassen. Ihnen gelang die Flucht nach Australien. Gertrud Lubo lebte bis zu ihrem Tod am 04. Juni 2017 in Sydney.

Für die in Markkleeberg verbliebenen Familienmitglieder verschlechtern sich die Lebensumstände 1939 zusehends. Sie verkaufen ihr Haus um mit dem Geld die Flucht/Ausreise nach Australien zu finanzieren. Da es ihnen nicht gelingt, Visa zu organisieren, fliehen Rosa, Lucie und Friedrich Berliner Mitte Dezember 1939 illegal nach Belgien. Dort geraten sie in die Wirren des Zweiten Weltkrieges. Rosa Berliner und Lucie, die in Belgien ihren Verlobten Isaack Jamschon geheiratet hatte, werden nach Frankreich abgeschoben und interniert. Ihnen gelingt allerdings die Rückkehr nach Brüssel. Dort lebt die Familie unter zunehmend schwierigeren Bedingungen bis Mitte 1942.

Friedrich Berliner, Lucie Berliner und Isaak Jamschon wurden mit dem Transport vom 11. August 1942 vom belgischen Mecheln nach Auschwitz deportiert. Lucie Berliner wird nach der Ankunft in Birkenau (13.08.1942) sofort ermordet. Friedrich Berliner erhält die Häftlingsnummer 58227. Er überlebt im Lager als Arbeiter einer Maurerbrigade drei Monate (11.10.1942). Laut Sterbeurkunde ist die Todesursache des 21jährigen "plötzlicher
Herztod". Sein 14 Jahre älterer Schwager Isaak Jamschon ist zu diesem Zeitpunkt schon einen Monat tot.

Die Deportation Rosa Berliners von Mecheln nach Auschwitz erfolgte am 26. September 1942. Dem Transport gehörten 1742 Menschen an. Sie erreichten Auschwitz am 28. September 1942. 1398 Deportierte wurden sofort ermordet – mit Sicherheit auch Rosa Berliner.