Stolperstein für Chane Suhl in der Hauptstraße 68

Biografie von Chane Suhl

Chane Suhl, geboren am 12. Dezember 1889 in Bedzin (Russland) als Chane Chana Gena Lichtenfeld, heiratete am 28. August 1913 Abrahm Suhl (geb. 03. Dezember 1894) aus Ostgalizien. Aus dieser jüdischen Ehe gingen die drei Söhne Benzion Benjamin Suhl (geb. 1914), Jakob Suhl (geb. 1922) und Emanuel Suhl (geb. 1924) hervor. Seit 1923 lebte die Familie in der heutigen Hauptstraße 68 in Markkleeberg, damals Oetzsch.

1932 trennten sich Abraham Suhl und Chane Suhl voneinander. Ab 1933 wurde Dr. Abraham Suhl als jüdisches KPD Mitglied von der Gestapo verfolgt. Er floh zunächst nach Prag und konnte dann nach New York emigrieren (1936 in Arden Street ansässig). Seine beiden jüngeren Söhne folgten ihm zuerst, später erreichte auch der älteste Sohn Benzion Suhl New York. Chane Suhl folgte ihren Söhnen, vermutlich aufgrund von Devisenmangel, nicht nach Amerika. Sie lebte weiter in Markkleeberg.

1935 wurde die Ehe von Abraham und Chane Suhl in Riga geschieden. Am 12. April 1940 heiratet Chane Suhl Dr. med. Meier Kolp (geb. 1882 in Kaunas, Litauen), durch welchen sie die litauische Staatsangehörigkeit erhielt. Dr. Meier Kolp emigrierte nur fünf Tage nach der Eheschließung in die USA (New York) – ohne seine Ehefrau.

Chane Suhl hatte bereits am 18. April 1939 einen Auswanderungsantrag für die USA und für Litauen gestellt. Die Genehmigung der Auswanderung für Litauen erhielt sie nach der Eheschließung. Nachdem Chane Suhl, verheiratete Kolp, am 01. September 1939 aus der Adolf-Hitler-Straße 68 (Hauptstraße) nach Leipzig in die Yorkstraße 6, III, links (vermutlich ein sog. Judenhaus) gezogen war, emigrierte sie am 17. Juni 1940 nach Kaunas in Litauen.

Kaunas wurde am 24. Juni 1941 von der deutschen Wehrmacht eingenommen. Die Spuren von Chane Suhl verlieren sich in Litauen. Alle Juden aus Kaunas wurden am 15. August 1941 in ein Ghetto umgesiedelt. Chane Suhl soll 1941 von einem Wachkommando der Wehrmacht in Kaunas erschossen worden sein.