Stolperstein für Helene Knothe in der Pater-Kolbe-Straße

Biografie von Helene Knothe:

Am Mittwoch, dem 20. Dezember 1944 um 14.30 Uhr, eröffnete der Vollstreckungsleiter der Verurteilten, dass "von dem Gnadenrecht kein Gebrauch gemacht" wird. Circa 90 Minuten später erfolgte die Hinrichtung durch "Enthauptung mit dem Fallbeil". Die Hingerichtete ist Helene Knothe aus Markkleeberg.

Sie wurde als Helene Maria Margarethe Wendt am 01. September 1892 in Harmelsdorf, damals Kreis Deutsch Krone in der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen, heute Republik Polen, geboren. Sie ist die Tochter von Gustav und Appolonia Wendt. Bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahr besuchte Helene Knothe die Mittelschule in Gnesen. Nach eigenen Angaben wurde sie im deutschnationalen Sinne erzogen. Von Beruf ist Helen Knothe Krankenschwester und nahm als solche am 1. Weltkrieg teil. Am 9. Februar 1920 heiratete Helene Wendt Erich Knothe. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor. 1930 wurde die Ehe mit der Bedingung rechtskräftig geschieden, dass der geschiedene Ehemann bis zu seinem Lebensende für sie sorgen müsse.

Von 1938 - 1944 wohnte Helene Knothe in Markkleeberg in der Riquetstraße 23. Sie arbeitete im Auftrag verschiedener Krankenhäuser Leipzigs als Nachtkrankenschwester. Den Dienst verrichtete sie bei den Patienten zu Hause. Von einer ihrer Patientinnen wird sie im Juli 1944 denunziert. Unter anderem soll sich Helene Knothe negativ über Adolf Hitler geäußert und den bevorstehenden Umsturz angekündigt haben. Der Haftbefehl erging nach verschiedenen Verhören am 8. August 1944.

In der Haft in Leipzig werden politische Überprüfungen vorgenommen, Zeugen gehört und ein psychologisches Gutachten erstellt. Die Anklage lautet auf "Wehrkraftzersetzung" und "Feindbegünstigung". Zwangsläufig findet der Prozess nun am berüchtigten Volksgerichtshof statt. Am 9. November erfolgte die Verlegung von Helene Knothe nach Berlin, wo es am 23. November 1944 zum Prozess kommt. Mit der Anklage "Wehrkraftzersetzung" ist das Todesurteil vorbestimmt. Alle Kosten des Verfahrens hat Helene Knothe zu tragen. Dazu bedienten sich die Ankläger ihres Sparbuches, das in der Riquetstr. sichergestellt wurde. Im Frauengefängnis in Berlin, Barnimstr. 10, hoffte Helene Knothe vergebens auf Begnadigung. Die Urteilsvollstreckung erfolgte am 20. Dezember 1944 um 16 Uhr in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee. Helene Knothe ist ein Opfer der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz.